Schwarze Frauen in der IT zwischen Karriere, Sichtbarkeit und Erfolg
- Lioba

- 11. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Patience Baidoo ist Senior IT Business Analyst, 34 Jahre alt, verheiratet und Mutter. Als Schwarze Frau in der IT-Branche in Deutschland war ihr Weg alles andere als geradlinig: Vom Studium in der Sozialökonomie über Marketing bis hin zu Technologie. Heute nutzt sie ihre Stimme, um anderen Frauen Mut zu machen, sichtbar und selbstbewusst ihren Platz einzunehmen.

„Ich wollte, dass Menschen sehen: Es gibt Schwarze Frauen im Corporate-Bereich und wir sind erfolgreich.“
Du hast Sozialökonomie und Marketing studiert. Heute arbeitest du als Senior IT Business Analystin. Was hat dich auf diesen Weg gebracht und welche Kompetenzen aus deiner Ausbildung helfen dir bis heute?
Ich hatte schon immer viele Interessen und habe im Bachelor zunächst das studiert, was mich angesprochen hat - Sozialökonomie. Schnell merkte ich im Studium, dass Marketingthemen mich besonders interessieren, weshalb ich mich auch im Master darauf konzentrierte.
Während des Masters stellte ich fest, dass ich mich langfristig nicht ausschließlich auf Marketing beschränken möchte. Ich begann einzelne Kurse zu IT und Digitalisierung zu belegen und erkannte: IT ist ein sehr dynamischer und zukunftsorientierter Bereich mit hohem Entwicklungspotenzial. Durch Praktika und Werkstudentinnenjobs konnte ich sehen, dass es mir Spaß macht, analytisch, strukturiert und lösungsorientiert zu arbeiten.
Wie war dein Einstieg in die Tech-Welt als Schwarze Frau und welche (unsichtbaren) Barrieren musstest du überwinden?
Offensichtlich war ich oft die einzige Schwarze Frau im Team oder sogar in der gesamten Abteilung. Deshalb war es mir wichtig, in einem internationalen Umfeld zu arbeiten, in dem unterschiedliche Hintergründe selbstverständlich sind. Mir ist wichtig, dass meine Arbeit und Fähigkeiten im Vordergrund stehen, unabhängig von meiner Herkunft oder Hautfarbe.
Mit „Corporate with Patience“ gibst du Einblicke in dein Leben als Schwarze Frau im Business-Kontext. Was hat dich dazu bewegt, öffentlich sichtbar zu werden?
Es war der Wunsch meines jüngeren Ichs. Ich wollte Menschen sehen, die so aussehen wie ich: Schwarze Menschen, Schwarze Frauen, die im Corporate-Bereich in Deutschland erfolgreich sind. Solche Vorbilder gab es kaum. Im Laufe meiner Karriere und durch viele Gespräche mit Freundinnen, meiner Schwester und jüngeren Menschen in ihrem Umfeld wurde mir klar: Dieses Bedürfnis teilen viele. Wir alle wollen Repräsentation sehen und wissen, dass Erfolg möglich ist.
Irgendwann dachte ich: Wenn ich anderen Mut machen kann – warum nicht? Also begann ich, meine Erfahrungen zu teilen. Das Feedback, das ich bekomme, ist wunderschön: Nachrichten, Kommentare, persönliche Gespräche. Viele sagen mir: „Danke, dass du das teilst. Ich fühle mich gesehen.“ Das zeigt mir, wie wichtig es ist, dass wir unsere Geschichten erzählen.
Was bedeutet für dich beruflicher Erfolg?
Für mich bedeutet Erfolg zuerst, zu wissen, was man gut kann: Wo liegen deine Stärken? Was zeichnet dich aus? Oder, wie man im Marketing sagt: Was ist dein USP (Unique Selling Point)? Darauf aufbauend geht es darum, die eigene Karriereentwicklung bewusst zu sehen – vom Junior über Specialist bis hin zur Senior-Rolle. Diese Entwicklung aktiv wahrzunehmen, ist unglaublich wichtig. Und Spaß gehört für mich auch dazu. Wer Freude an seiner Arbeit hat, arbeitet engagierter und inspirierender.
"Ich lernte, meine Grenzen zu erkennen und sie auch klar zu kommunizieren."
Welche Erfahrung im Job hat dich besonders geprägt?
Eine prägende Erfahrung in meinem Job war ein Projekt, welches ich übernommen hatte, das zunächst als unkompliziert eingeschätzt wurde, sich dann aber als enorm komplex herausstellte. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich das nicht mehr allein stemmen konnte. Ich war ständig gedanklich bei der Arbeit, habe kaum abgeschaltet und irgendwann den Punkt erreicht, an dem ich sagen musste: Stopp – so geht es nicht weiter.
Ich wandte mich an meinen Manager und bat um Unterstützung. Das war ein entscheidender Moment: Ich lernte, meine Grenzen zu erkennen und sie auch klar zu kommunizieren. Heute ist das Projekt sehr erfolgreich, mit einem großen Team und bedeutendem finanziellen Erfolg. Diese Erfahrung zeigte mir, dass um Unterstützung zu bitten keine Schwäche ist, sondern ein Zeichen von Professionalität.
Welche Botschaft möchtest du anderen Schwarzen Frauen mitgeben, die sich in männerdominierten und weißen Branchen behaupten wollen?
Bleib neugierig und lerne ständig dazu! Gerade im IT-Bereich ist Weiterbildung das A und O. Zertifizierungen, neue Tools, neue Themen. Das alles stärkt nicht nur dein Fachwissen, sondern auch dein Selbstvertrauen. Genauso wichtig ist es, den eigenen Wert zu kennen. Wer sich ihrer Stärken bewusst ist, kann selbstsicherer auftreten und klar kommunizieren, wo ihre Expertise liegt.
Lass dich nicht einschüchtern. Nur weil du vielleicht die einzige (Schwarze) Frau bist in einem männerdominierten Umfeld, heißt das nicht, dass deine Stimme weniger Gewicht hat. Nimm deinen Raum ein und bleib dir selbst treu.
Und vielleicht der wichtigste Punkt: Bau dir ein starkes Netzwerk auf. Such dir Menschen, mit denen du dich austauschen, gegenseitig unterstützen und voneinander lernen kannst. Sei es im Unternehmen, in anderen Abteilungen, über LinkedIn oder in Netzwerken wie Black Female Business. Ich habe zum Beispiel am Schotstek Stipendienprogramm teilgenommen, das gezielt Menschen mit Migrationshintergrund unterstützt. Diese Erfahrung war für mich unglaublich wertvoll. Ich habe Einblicke in Unternehmen bekommen, Kontakte geknüpft und gelernt, wie wichtig es ist, proaktiv auf Menschen zuzugehen und Teil von unterstützenden Strukturen zu werden.
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